Auf Augenhöhe mit Alphatieren



Erfolgreiche Kommunikation mit dominanten Persönlichkeiten.



Was hat ein Leitbulle mit einem Silberrücken gemeinsam? Beides sind die typischen Alphatiere in ihrer Herde. Diese Leittiere erhalten ihren Status aufgrund ihrer physischen Stärke oder ihres Alters. Ranghöchste Tiere haben Vorrang bei Futter und Wasser und beeinflussen oft die Fortpflanzung in der Gruppe. Diesen Rechten stehen jedoch auch Pflichten gegenüber. So haben sie beispielsweise für die Sicherheit, die Futterversorgung und das Einhalten der Herdenregeln zu sorgen.


Als Tiermethapher wird die Bezeichnung Alphatier meist für durchsetzungsstarke, dominante Menschen in Führungssituationen genutzt. Die oft benutzte niedlich klingende Bezeichnung «Alphamännchen» oder «Alphafrauchen» wird diesen Persönlichkeiten jedoch keineswegs gerecht. Wer mit diesen Menschen auf Augenhöhe kommunizieren will, sollte einiges beachten.


Eine gute Basis für die Herangehensweise bietet dabei das DISG Persönlichkeitsprofil (vgl. Dauth, 2019) . Dieses bewährte Instrument unterscheidet die Menschen in vier Grundtypen: Dominant, Initiativ, Stetig und Gewissenhaft.


Gemäss dem DISG Persönlichkeitsprofil sind dominante Menschen willensstark, durchsetzungsfähig, ergebnisorientiert und direkt. Sie möchten Probleme lösen und rasche Ergebnisse erzielen. Sie stehen gerne im Mittelpunkt und lieben es, das eigene Umfeld zu kontrollieren. An sich selber und andere haben sie hohe Ansprüche. Da sie sehr zielorientiert sind, ist Geduld nicht ihre Stärke. Auch in der Kommunikation halten sie es eher knapp und direkt, was sie in manchen Augen als gefühlsarm aussehen lässt.

Dominante Persönlichkeiten brauchen das Lob und die Anerkennung und brüsten sich darum gerne mit ihren Erfolgen.

Um mit dominanten Persönlichkeiten klar zu kommen, braucht es klare Ansagen und verlässliche Aussagen.


Wollen Sie in Sitzungen oder Gesprächen mit solchen Alphatieren erfolgreich kommunizieren, sollten Sie gewisse Punkte beachten.


In erster Linie gilt es, Stärke zu zeigen. Ihr Gegenüber will spüren, dass Sie wissen, was Sie wollen und dass Sie voll und ganz dahinterstehen. Beachten Sie auch, dass dominante Menschen immer sehr wenig Zeit haben. Sie sollten daher sehr schnell zur Sache kommen und den Zeitrahmen unbedingt einhalten. Ihr Gegenüber ist sehr zielorientiert und will erfahren, welchen Nutzen er von dem einen oder anderen Lösungsweg hat. Er will absolute Ehrlichkeit und lässt dafür auch mal einen gut begründeten Sinneswandel zu.


In Diskussionen mit dominanten Gegenspielern braucht es:


1. Kraftvolle Körpersprache

  • Aufrechte Haltung

  • Dynamische Gestik

  • Sicherer Stand und natürliche Bewegung im Raum

  • Offener, ruhiger und fester Blick

  • Gebührender aber nicht zu grosser Abstand

  • Hohe Präsenz

Ihr Gegenüber wird seinerseits eine körperbetonte Kommunikation einsetzen und Dominanzsignale aussenden. Lassen Sie sich dadurch nicht beeindrucken und halten Sie körpersprachlich aktiv dagegen.


2. Agile Rhetorik

  • Frühzeitiges Erkennen möglicher Machtspiele (Unterbrechungen, Fangfragen, Killersätze etc.) und vorbereitete Reaktionen darauf.

  • Aktives Zuhören und nachfragen bei Ihrem Gegenüber

  • Kein Konfrontationskurs

Seien Sie standfest wie die Wurzeln eines Baumes und gleichzeitig biegsam wie die Krone mitsamt Blättern. Agiles Handeln bedeutet, immer und jederzeit auf allfällige Störungen, Fragearten oder Bemerkungen gewappnet zu sein.

Am besten spielen Sie eine wichtige Sitzung vorgängig mit einem Sparringpartner durch. So finden Sie auch "nasty Questions" und die souveräne Reaktion darauf heraus.