Die Gemeinde-/Generalversammlung - Nutzen Sie Ihre Bühne!

Es ist ein lauer Sommerabend im Juli 2019. Tausende Menschen auf engstem Raum. Es riecht nach Bratwurst und Bier. Es wird getanzt und gesungen. Auf der Bühne steht Bon Jovi. Eine Band, die seit Jahrzehnten Millionen von Menschen mit ihrer Musik in andere Welten entführt. Es gibt Menschen, die sich fragen, wie es sich wohl anfühlt - dort oben auf der Bühne? Wie es ist, wenn der Funken springt zwischen der Band und dem Publikum?




Auch wenn Sie vielleicht mit weniger Lichtshow und Technik auskommen müssen, auch wenn Sie vor einer weniger grossen Menschenmasse stehen - auch Sie als Gemeinde oder Unternehmung haben Ihre grosse Bühne! Mindestens einmal im Jahr gehen Sie dort auf Tuchfühlung mit Ihrem Publikum - den Einwohnerinnen und Einwohnern Ihrer Gemeinde resp. Ihren Mitgliedern und Aktionären.


Nutzen Sie Ihre Bühne? Geben Sie wirklich alles, damit das Publikum mitgeht und Ihre Entscheide mitträgt? Reissen Sie sie mit, begeistern Sie oder ist es eine reine Informationsvermittlung ohne Emotionen? Vergessen Sie nicht, dass auch vermeintlich sachliche Themen für andere Menschen sehr wohl emotional sind.


Wenn Sie beginnen, Ihre Bühne auch als solche zu sehen, dann werden Sie nicht nur Spass an Ihrem Auftritt haben, Sie werden auch an Überzeugung und Glaubwürdigkeit gewinnen. Denn Sie werden sich viel mehr auf Ihr Publikum einlassen, versuchen es wirklich abzuholen. Und so erhalten Sie den Applaus der Stimmberechtigten - das Vertrauen in Ihr Handeln resp. das Genehmigen Ihrer Anträge.


Wie erreichen Sie das?


Folgende drei wesentliche Aspekte, sollten Sie beachten:


Sie sind hör- und sichtbar

Stellen Sie sich vor, Sie sind an einem Konzert und haben keine Sicht auf die Bühne. Die Musik kann toll sein, aber das Erlebnis ist nicht dasselbe, wie wenn Sie auch visuell mitbekommen, was auf der Bühne abgeht. Es wird Sie emotional weniger mitreissen. Umgekehrt erinnere ich mich an einen Abend: Der Sound überschlägt sich immer mal wieder und das Mikro des Sängers ist so schlecht eingestellt, dass ich nicht alles einwandfrei verstehe. Das holt mich einfach nicht ab und ich verlasse enttäuscht das Konzert.


So soll es Ihrem Publikum nicht ergehen. Sie sind gekommen, um zu hören und zu sehen, was Sie zu bieten haben.

Deshalb müssen Sie sicherstellen, dass jede und jeder im Raum Sie gut sieht und hört.

Es lohnt sich beispielsweise, in Headsets für alle Redner zu investieren. Sie umgehen damit das Problem, zu nahe oder zu weit weg vom Mikrofon zu sein. Präsentieren Sie sitzend, gewinnen Sie ausserdem an Körpersprache und Präsenz. Das unschöne und unbequeme Vorlehnen zum Mikrofon entfällt und sie wirken viel entspannter und dadurch kompetenter. Sie können Sie mehr darauf konzentrieren, was Sie sagen wollen und wie Sie es sagen wollen.


Noch mehr Dynamik und Sichtbarkeit erreichen Sie mit einem Rednerpult. Die Präsenz des jeweils Vortragenden wird stehend nochmals merklich erhöht. Auch können Sie dadurch Ihre Gestik unterstützend einsetzen. Vermeiden Sie aber, sich hinter dem Pult zu verstecken, oder krampfhaft die Hände dort abzustützen.


Die Technik spielt hierbei eine wesentliche Rolle. Rechnen Sie genügend Zeit für einen Probelauf und das richtige Einstellen der Mikros resp. des Beamers ein. Es wirkt sehr umprofessionell, wenn dies erst während der Veranstaltung gemacht werden muss, weil es nicht richtig funktioniert. Ein klares Drehbuch für die Technik hilft zudem, damit die nicht genutzten Mikros auf lautlos gestellt werden. Unangenehme Nebengeräusche wie Atmen oder das hörbare Schlucken nach dem Trinken entfallen so.



Sie zeigen sich als Einheit

Wieso spielt Bon Jovi seit Jahrzehnten vor ausverkauften Stadien? Neben der tollen Musik ist eine Erklärung für mich, die spürbare Freude der ganzen Band am gemeinsamen Auftritt. Es steht nicht einfach der Sänger Jon Bon Jovi im Mittelpunkt. Es gibt Solos vom Schlagzeug, der Gitarre, des Keyboards etc. Jeder darf sich präsentieren und zeigen, was er kann. Die Band tritt als Einheit, als Team auf.


Wie ist es bei Ihnen? Redet nur der Präsident/die Präsidentin, vielleicht noch Finanzvorsteher? Der Rest des Gremiums sitzt mehr oder weniger wortlos den ganzen Abend auf dem Podium. Wie wirkt das wohl für das Publikum? Haben alle anderen, die oben sitzen nichts zu sagen?


Die Lösung ist simpel. Teilen Sie Ihre Traktanden untereinander auf. Geben Sie jedem Mitglied des Gremiums die Möglichkeit, sich zu äussern. Sie hinterlassen dabei das Bild einer starken Einheit. Jeder kann den anderen unterstützen, jeder weiss über alles Bescheid. Das wirkt unglaublich vertrauensfördernd.


Ebenfalls beachten sollten Sie Ihr Stimmverhalten. Vereinbaren Sie im voraus, ob und wie Sie als Gremium stimmen. Wenn einer die Hand hebt, die Kollegin aber nicht, dann wirkt dies sehr irritierend für das Publikum.



Sie überzeugen inhaltlich und haben eine klare Botschaft

Wieso berühren gewisse Lieder und andere nicht? Weil sie Inhalt und Tiefe haben und eine Geschichte erzählen. Weil wir uns in Gedanken ein Bild daraus malen können. Weil es uns emotional berührt.


Wie oft haben Sie nach einer Präsentation schon in fragende Gesichter geschaut? Um Ihren Anträgen Folge zu leisten, muss den Stimmberechtigten klar sein, welchen Nutzen es für sie bringt und wieso es wichtig ist. Sie müssen sich etwas vorstellen können. Sie müssen sich persönlich angesprochen fühlen, auch wenn es sie nicht direkt betrifft. Ihre Einwohnerinnen und Einwohner resp. die Mitglieder und Aktionäre müssen verstehen, wieso genau sie was genehmigen sollen.

Es lohnt sich darum, genügend Zeit in die Argumentation zu investieren. Es ist wichtig, verschiedene Blickwinkel aufzuzeigen, und somit Gewisses zu entkräften, Anderers zu bestärken. Je besser Sie Ihre Argumentation ausgearbeitet haben, desto klarer können Sie auch die Kernbotschaft definieren. Bringen Sie in kurzen, klaren und einfachen Sätzen Ihre Botschaft auf den Punkt. Unterlassen Sie es mit Fachausdrücken und Fremdwörtern um sich zu werfen - die Mehrzahl der Anwesenden wird es nicht verstehen. Und wer nicht versteht, der hört nicht hin und schaltet innerlich ab.

Unterstützend dazu soll die Powerpoint-Präsentation wirken. Stellen Sie dabei sicher, dass nicht die Folien im Mittelpunkt stehen, sondern Sie als RednerIn. Nur so wenige Folien wie möglich und so viele wie nötig, ist hier der Ansatz. Überprüfen Sie dabei immer, ob die Folie klar und verständlich ist. Vermeiden Sie ein Schlachtfeld aus Text und lassen Sie begleitetes Lesen sein. Ihre Folien sollen zusätzliche Emotionen hervorrufen und nicht das bereits Gesagte in Druckform aufzeigen.

Und noch Eines: Unterlassen Sie eine "Herzlich Willkommen"-Folie genauso wie eine "Danke für Ihre Aufmerksamkeit"-Folie. Benutzen Sie stattdessen ein schönes Bild und sagen Sie es Ihrem Publikum direkt. Sie werden staunen, wie plötzlich Sie anstelle der Präsentation im Mittelpunkt stehen. Das ist übrigens Ihr Ziel - die Blicke sind auf Sie gerichtet. Holen Sie sich also die Aufmerksamkeit und dann legen Sie los.



Natürlich gibt es weitere Punkte, die dazu beitragen, eine erfolgreiche Versammlung abzuhalten. Doch wenn Sie diese drei Hauptfaktoren beachten, dann schaffen Sie gute Voraussetzungen für einen sympathischen, überzeugenden Auftritt und gewinnen so an Glaubwürdigkeit.


Also nichts wie los auf die Bühne! Lassen Sie den Funken springen und holen Sie sich Ihren Applaus - das Vertrauen in Ihr Handeln!



Wollen auch Sie die Chance Ihrer Bühne nutzen und Ihren Auftritt optimieren? Lassen Sie uns gemeinsam analysieren, wo Ihre Ansatzpunkte sind und was Sie konkret verbessern können.


Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme.


Herzlich




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