Ich grüsse Sie - aber wie?


Mein beruflicher Tag startet mit einem internen Austausch. Ich begrüsse meinen Gesprächspartner mit einem Händeschütteln, einem freundlichen Blickkontakt und einem unverfänglichen Small Talk. Der Abschied gestaltet sich wiederum aus Händedruck, Blickkontakt und tschüss bis nächsten Dienstag. Auch die weiteren Anlässe und Termine an diesem Tag sind gespickt mit viel Händeschütteln - mal feucht, mal fest, mal schwach - auch mal ein Küsschen hier und da und bei ganz lieben Freunden einer herzlichen Umarmung.

Heute ist alles anders.


Heute sind wir sehr darauf bedacht, Distanz zu wahren und einander ja nicht zu nahe zu kommen. Wir wollen uns und andere schützen. Es haben sich dadurch neue Arten der Begrüssung entwickelt: mit den Füssen, den Fäusten, den Armbeugen oder der Verneigung. Mir gefällt keine sonderlich gut. So belasse ich es bei meinen Begrüssungen auf einen freundlichen Blickkontakt und einem interessierten Hallo und Grüezi.




Nun da so langsam Licht am Ende des Tunnels sichtbar wird, drängt sich die Frage auf, wie werden wir uns begrüssen, wenn alle Schutzmassnahmen aufgehoben sind?


Wird es wieder wie früher? Werden wir uns alle einfach wieder die Hand geben, uns Küsschen verteilen und umarmen? War es denn so wie es war gut resp. habe ich mich damit wohl gefühlt? Ich gestehe, dass ich hier nicht mit einem klaren JA antworten kann.



Natürliche Distanzzonen


Um das besser einzuordnen, macht es Sinn, die geltenden Distanzzonen (vgl. Hall, 1969) zur Hilfe zu nehmen. Edward T. Hall war ein amerikanischer Anthropologe, der das Konzept der Proxemik entwickelte. Proxemik erforscht soziale und kulturelle Bedeutungen, die Menschen mit ihrer privaten und beruflichen räumlichen Umgebung verbinden. Sie beschäftigt sich also mit dem Raumverhalten als einem Teil der nonverbalen Kommunikation (vgl. Wikipedia).


Hall teilte die persönliche Distanz, die wir von anderen halten, in 4 Hauptzonen auf. Diese Zonen dienen als „Reaktionsblasen“ . Betreten Sie eine bestimmte Zone, aktivieren Sie automatisch bestimmte psychische und physische Reaktionen.


Diese Zonen dienen als allgemeine Richtlinien. Sie variieren und werden durch viele Faktoren beeinflusst (z.B. Kultur des Landes).


Was gilt in den einzelnen Zonen?


Intime Zone


60 cm sind circa eine Armbreite lang. Wen lassen Sie so nah an sich ran? Es sind Menschen, denen Sie vertrauen. Es ist der Ehepartner, das eigene Kind, die Eltern oder sehr enge Freunde - mehr nicht. Dringt jemand ungefragt hier ein (z.B. durch eine Umarmung), aktivieren Sie automatisch Ihren Flucht- und Kampfmodus. Sie weichen zurück und fühlen körperliche Abwehrsymptome (Unwohlsein, Angst, Zorn etc.).

Keine Regel ohne Ausnahme: Coiffeur, Zahnarzt, Optiker etc. dringen immer in diese Zone ein. Aber wie wohl fühlen Sie sich jeweils dabei ?


Persönliche Zone


In dieser Zone finden freundschaftliche Gespräche statt. Auch Sitzungen mit bekannten, sympathischen Gesprächspartnern werden mehrheitlich in dieser Zone abgehalten. Small Talk an einem Apéro oder die Begrüssung mit einem Händedruck oder anderen wohlwollenden Gesten sind dieser Zone zuzuordnen. Menschen, die sich in Ihrer persönlichen Zone bewegen sind Freunde, Familie und gute Bekannte.